Die Steuerdatei .vimrc

Die Funktionalität von Vim kann durch die (versteckte) Steuerdatei .vimrc im jeweiligen Benutzerverzeichnis voreingestellt werden. Die .vimrc im Userverzeichnis bietet u. a. den Vorteil, "portabel" zu sein. Auf einen USB-Stick kopiert, kann man sie auf jedem beliebigen Rechner laden und hat immer seine gewohnte Umgebung parat. Vim bringt zwar von "zu Hause aus" einige wenige Voreinstellungen mit, es schadet aber nicht, sich eine eigene .vimrc für seine Zwecke anzulegen. Hier ein Beispiel:

filetype plugin on
set nocompatible
set fileencodings=ucs-bom,utf-8,default,latin1
set helplang=de
set ruler
set number
set ic
syntax enable
set backup
set guifont=Courier\ New\ Bold\ 13
set ff=dos
set lbr
set showmatch
set showcmd
set autoindent
set makeprg=tidy\ -e\ %

Dabei bedeutet:

filetype plugin on
Die automatische Dateityperkennung wird eingeschaltet, dazu werden dateitypspezifische Aktionen eingelesen und Autokommandos ausgeführt. Damit werden Erweiterungen wie Vim-LaTeX erst lauffähig.

set nocompatible
Vim-Erweiterungen nutzen, kein vi-kompatibler Modus. Dies ist zwar zumeist Voreinstellung, es schadet nicht, es nocheinmal einzustellen.

set fileencodings=ucs-bom,utf-8,default,latin1
Zeichen-Codierungen einstellen.

set helplang=de
Sprache der Hilfetexte (deutsch) einstellen.

set ruler
rechts unten in der Statuszeile wird die Cursorposition sowie die relative Position in der Datei in Prozentzahlen angezeigt.

set number
zeigt die Zeilennummer an.

set ic
Großschreibung ignorieren (beim Suchen)

syntax enable
schaltet die Syntaxerkennung ein: sprachabhängige Schlüsselwörter erscheinen farbig.

set backup
Vim legt jetzt Sicherungs-Dateien an.

set cursorline
hebt die Zeile hervor, in der der Cursor steht.

set guifont=Courier\ New\ Bold\ 13
hier werden Schriftart und -größe für den "grafischen Vim" geladen, den gVim. Besteht ein Schriftname aus mehreren Wörtern, müssen sie jeweils mit einem Backslash beendet werden.

set ff=dos
setzt das Dateiformat, genauer gesagt das Format des Zeilenendes – hier z. B. für DOS. Das ist angebracht, wenn diese unter DOS/Windows bearbeitet oder betrachtet werden sollen.

set lbr
schaltet bei Wortgrenzen am Fensterrand den Umbruch ein.

set showmatch
beim Tippen einer schließenden Klammer springt der Cursor kurzzeitig auf die öffnende Klammer und wieder zurück.

set showcmd
Befehle werden im Kommandomodus beim Eintippen nicht angezeigt. showcmd zeigt sie rechts unten in der Statuszeile.

set autoindent
Einrückung der vorigen Zeile erhalten.

set makeprg=tidy\ -e\ %
Statt ':compile tidy' aufzurufen, kann man Vim anweisen, HTML-Dokumente mit Tidy zu "kompilieren". tidy überprüft die HTML-Syntax auf Richtigkeit. Ein einfaches ':make' genügt dann, den Ablauf anzustoßen. Dazu muss die erstellte Datei gespeichert sein. Wie bei der Angabe der Schriftart müssen mehrere Wörter durch \ beendet werden.

Plugins

Plugins / Scripte, mit denen man die Funktionalität und das Ausehen von Vim steuert, vor allen Dingen aber erweitert, sind sehr simpel zu installieren.

  1. Bei http://www.vim.org unter -> Scripts -> browse all sich ein passendes Script aussuchen – die Liste kann nach verschiedenen Kriterien sortiert werden.
  2. Das gewünschte Script herunterladen
  3. Das Script ins Plugin-Verzeichnis von Vim kopieren. Auf meinem Linux-System ist dies /usr/share/vim/vim72/plugin. Das war's!

Ich verwende z. B. das Plugin html_umlaute.vim. Das Script wandelt deutsche Umlaute beim Speichern in HTML-Syntax um und schreibt sie beim Einlesen in den vim wieder in Umlaute zurück, was Schreib- und Lesbarkeit des Textes im Editor sehr erleichtert.

Wer's noch detaillierter haben will:



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