LaTeX

LyX setzt auf LaTeX auf, einem Computer-Satzsystem, ausgesprochen "laa-tech".
LaTeX wiederum setzt auf TeX auf, das gegen Ende der 1970er Jahre von Donald E. Knuth an der Universität Stanford / Kalifornien entwicklet wurde. TeX ist eine Programmiersprache, bestehend aus ca. 300 Befehlen und dient dem rechnergestützen Satz von Schriftstücken. Die TeX-Befehle, in den Text eingefügt, werden vom TeX-Interpreter ausgeführt, sodass bei der Ausgabe ein formatierter Text entsteht, der standardmäßig eine DVI-Datei (DeVice Independent – geräteunabhängig) erzeugt und damit unabhängig vom Ausgabemedium ist. Dies kann ein Drucker, eine Lichtsatzanlage oder ein Bildschirm sein. Alternativ kann aus dem Dokument eine PostScript- oder, was heute mehr und mehr bevorzugt wird, eine PDF-Datei erzeugt werden. Eine Ausgabe in HTML ist ebenso möglich.

Da das Programmieren mit TeX nicht gerade besonders einfach ist, entwickelte Leslie Lamport Anfang der 80er Jahre das Makropaket LaTeX, das TeX-Befehle zu Markup-Befehlen (rund 900) zusammenfasst. Damit wurde – trotz der größeren Zahl von Befehlen – das Erstellen formatierter Texte wesentlich vereinfacht.

LaTeX ist rechner- und betriebssystemunabhängig. Selbst auf 'steinzeitlichen' Computern lassen sich damit alle möglichen Texte, von der einfachen Notiz bis zum mehrbändigen wissenschaftlichen Werk erstellen. Neben allen möglichen Formatierungen kann man Bilder einbinden, Tabellen, Aufzählungen, Listen und Formeln (unereicht gut) eingeben, man kann zeichnen, Noten setzen und anderes mehr. Man kann sehr einfach Fuß- und Endnoten oder Randbemerkungen setzen (die nachher auch da stehen, wo sie hingehören). Weiter lassen sich Inhaltsverzeichnisse und Indizes automatisch erstellen, ebenso wie Verzeichnisse von Bildern, Tabellen usw.

LaTeX kann mit Literarturverzeichnissen umgehen, Indizes und Querverweise jeglicher Art erstellen. Es kann mit Serienbriefe erstellen und Kommandos ausführen. Die Liste der Möglichkeiten ist damit lange nicht zu Ende. All dies geschieht durch das Einfügen von Befehlen (Markups oder Tags genannt) in den Text. Das Aussehen des Dokuments wird also, leicht überspitzt gesagt, 'programmiert'. Auch Fremdsprachen, die von rechts nach links geschrieben werden, oder von oben nach unten, lassen sich mit LaTeX anfertigen. Es unterstützt gegenwärtig deutlich über fünfzig verschiedene Sprachen mit ihren Eigenarten. Ein Wiki zum Kennenlernen und Einarbeiten in LaTeX ist http://www.golatex.de/

Und LyX?

LaTeX setzt einen beliebigen Text selbstständig und präzise in eine adäquate Form. Die Genauigkeit beim Satz liegt bei 0,0000054 mm. Wenn LaTeX das alles kann, warum dann noch LyX?

Um mit LaTeX zu arbeiten sind immer verschiedene Arbeitschritte nötig:

Trotz dieser 'steinzeitlichen' Methode und dem nicht ganz einfachen Erlernen der LaTeX-Markups (wenn man nicht ständig Handbücher wälzen will) hat sich LaTeX bis heute eine sogar wachsende Anhängerschaft bewahrt. Allerdings: Das Programmieren in LaTeX ist nicht jedermanns Sache und, wenn die Anforderungen höher und komplexer werden, nicht immer ganz einfach. An dieser Stelle setzt LyX an. Nehmen wir einen einfachen mit LaTeX geschriebenen Text – der LaTeX-Vorspann ist hier ausgelassen:


\subsection{Sonderzeichen und Umlaute \label{umlaute} } 

Durch das Einbinden der Pakete \verb [utf8]{inputenc} 
und \verb [T1]{fontenc}  im Vorspann können wir alle 
Tastaturzeichen direkt eingeben\footnote{Na gut, fast alle. 
Das Eurozeichen läßt sich zwar im Editor darstellen, 
es kann aus historischen Gründen nur über eine 
Befehlsanweisung im Ausdruck erzeugt werden. Siehe Kap. \ref{euroz}}. 

Das Gespann \TeX\ und \LaTeX\ ist amerikanischen Ursprungs. 
Der dort verwendete 7-bit-Zeichensatz kann keine Umlaute darstellen. 
In den Ursprungstagen von \TeX\ und \LaTeX\ war es deshalb nötig, 
ein ä als: \verb \"{a} einzugeben , später als: \verb "a ,
was wir heute nicht mehr unbedingt brauchen. 
Das war für den Schreibfluss und die Lesbarkeit des Quelltextes 
natürlich weniger hilfreich. Auf der anderen Seite ist es durch 
die diese Schreibweise möglich, alle erdenklichen Laute 
über Tastatureingaben zu kodieren: \\
\verb \^{a}  = \^{a} \hfill \verb \k{a}  = \k{a} \hfill \verb \ae{}  = 
\ae\ \hfill \verb \"{\i}  = \"{\i} \hfill u. a. m. 

\begin{wrapfigure}[16]{r}{3.5cm}
\includegraphics[width=3.5cm,height=7cm]{bilder/zeichenmen}
\caption{Hinter den Reitern der Menüleiste verbergen sich die 
verschiedensten Sonderzeichen}
\label{fig:versch-zeichen}
% zeichenmen.jpg: 362x725 pixel, 72dpi, 12.77x25.58 cm, bb=0 0 362 725
\end{wrapfigure} 
Auf diese Weise ist es möglich, im Text unabhängig vom verwendeten 
Zeichensatz auch fremdsprachlich zu schreiben.\\

Es gibt noch wesentlich komplexere Beispiele. Aber schon hier zeigt sich: Das Arbeiten mit LyX ist doch wesentlich einfacher – auch wenn moderne LaTeX-Editoren vieles erleichtern, und auch wenn LyX (in einigen besonderen Fällen) auf LaTeX in der Eingabe zurückgreifen muss. Aber im allgemeinen gilt: LyX erleichtert die Arbeit ungemein, ohne dass man auf viele Vorteile von LaTeX verzichten muss, da es sich fast wie eine "normale" Textverarbeitung bedienen läßt. Vor allen Dingen:
Der gleiche Text ist unter LyX viel besser lesbar! (Zum Vergrößern klicken)

Der gleiche Text in LyX

Fußnote und Grafik werden im Beispiel nicht angezeigt, werden aber auf Knopfdruck jederzeit sichtbar. Gezeigt ist hier auch einer der Fälle, wo ein LaTeX-Code zur Darstellung fremdsprachlicher Zeichen eingegeben wird.

Zwar sieht man auch bei LyX die letztendliche Druckausgabe erst nach dem Kompilieren, das zur Erzeugung der Druckansicht automatisch angestoßen wird. Und mit der LaTeX-Fehlerbehebung, die beim händischen Programmieren schon mal anfällt, ist man nur in wirklich seltensten Ausnahmefällen (z. B. nicht unterstützten Grafikformaten) befasst.

Eine Erfahrung in der Benutzung von LaTeX und LyX schildert Lyx gehabt: Ende gut – alles gut! in : LaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sind.



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